Wassersportverein Meppen e.V.

Wanderfahrt nach Osterholz-Scharmbeck

Hat schon mal jemand versucht, in die Nordradde hineinzurudern - direkt am Jachthafen? Nein? Natürlich nicht, ist ja auch eine Schnapsidee, viel zu eng...
Tja, die Kollbeck, ein Zufluss der Hamme im Teufelsmoor, ist kein Stückchen breiter. Und doch wagten zwei Bootsbesatzungen des WSVM den Höllenritt und ruderten mutig hinein in den finsteren Schlammgraben. "Fahrt einfach weiter, bis es nicht mehr weitergeht", hatten unsere Gastgeber vom Ruderverein Osterholz-Scharmbeck gesagt. Aber woher sollten wir wissen, wann es nicht mehr weitergeht? "Das merkt ihr schon!" In der Tat: Die Böschung wurde immer enger, das Wasser immer flacher, ständig gab es Uferberührung. Dann mussten wir uns noch an ein paar Torfkähnen vorbeizwängen, bis wir schließlich in einem Graben festmachen konnten. Rudern ging nicht mehr, nur noch Paddeln mit dem Bootshaken...
Doch, wir waren richtig. Direkt vor dem Gasthaus Kreuzkuhle im tiefen Moor. Den Schrecken schluckten wir mit riesigen Currywürsten und (alkoholfreiem) Weizenbier hinunter. Dabei stand das Schlimmste noch bevor: die Wende zur Rückfahrt. Der Zweier hat das noch sauber hinbekommen, aber der Vierer steckte vorn und achtern fest. Da musste erst mal das Steuer ausgebaut werden...
Eine Wanderfahrt an die Grenzen des Teufelsmoors ist also nichts für zart besaitete Schönwetterruderer - obwohl das Wetter bei dieser gemischten Wanderfahrt wirklich nichts zu wünschen übrig ließ: Das erste Oktoberwochenende hat gehalten, was der gesamte August nicht einmal zu versprechen wagte. Deshalb konnte die kleine WSVM-Schar (Mechthild Ameling, Christiane Bohlen, Peter Göpfert, Heiner Segbers, Lukas Speckmann, Jet Vredeveld und Silke Willems) bei sattem Sonnenschein dieses einmalige Ruderrevier genießen. Hand aufs Herz: das Teufelsmoor ist großartig.
Das Teufelsmoor liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Bremen, rund zwei Autostunden von Meppen entfernt. Rudern lässt sich auf der Hamme und normalerweise auf der noch größeren Wümme - aber wegen einer gesperrten Schleuse konnten wir diesen Nebenfluss der Weser nicht befahren. Mit der Hamme hatten wir genug zu tun. Die Tagesfahrt zur Kreukuhle führte durch eine urtümliche Moorlandschaft mit breitem Wasser ohne Strömung, freundlichen Plattschnackern, entspannten Torftouristen und unberührter Natur. 42 Kilometer insgesamt, dazu zwei enge Handschleusen und eine herausfordernde Schlussetappe: Wir waren neun Stunden auf dem schwarzen Wasser. Tipp: Nicht bis zur Kreuzkuhle in die Kollbeck fahren, sondern die Fahrt schon dreieinhalb Kilometer früher hinter der Schleuse Viehspecken beenden, dort gibt es auch ein nettes Ausflugslokal. Die zweite Tagesfahrt führte uns in die kleine Beek, noch urtümlicher, noch idyllischer - 21 Kilometer.
Der WSVM ist auch um das kulturelle Wohlergehen seiner Mitglieder besorgt, deshalb wurde die Fahrt mit einem Besuch im Künstlerdorf Worpswede beendet, das nur wenige Kilometer von Osterholz-Scharmbeck und der Hamme entfernt liegt. Eine kunsthistorisch beschlagene Führerin zeigte uns das Dorf, die völlig durchgeknallten Bauten von Bernhard Hoetger (der auch die Bremer Böttcherstraße gebaut hat) und die großartigen Gemälde von Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler und Co. Spannend für uns: Die Maler der 1889 gegründeten Künstlerkolonie waren der kargen Moorlandschaft wegen in das kleine Dorf gezogen - deshalb bewunderten wir auf ihren Bildern genau jene herbe Natur, durch die wir zuvor gerudert waren.
Lukas Speckmann