Das „Nick-Ortwig-Gedächtnisrennen“ auf dem Küstenkanal

Alles begann damit, dass Alwin Otten seinen Einer von Oldenburg nach Meppen transportieren musste. Und wie wir Alwin kennen, wählte er nicht den bequemen Weg über das Autodach, sondern er ruderte. Von Oldenburg nach Dörpen, 62 km. Fast schnurgerade – und wenn der Wind aus Westen kommt, auch ständig gegen den Wind. Eine Herausforderung nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche.

Weil das so schön war, suchte Alwin diese Herausforderung fast jedes Jahr, immer Anfang Oktober. Mitstreiter, die sich dies auch mal gönnen wollten, gab es fast immer, so dass ein Rennen draus gemacht wurde. „Weicheier“, denen 62 km dann doch zu heftig waren, konnten in Höhe Elisabethfehn einsteigen und hatten dann „nur noch“ 36 km zu bewältigen bis zum Bootshaus in Dörpen. Es konnte natürlich auch in Vierern oder Zweiern gefahren werden…

Warum heißt das nun „Nick-Ortwig-Gedächtnisrennen“?

Hartmut Ortwig, geboren 1945, trat Anfang der 60er Jahre in den WSV Meppen ein und entwickelte sich schnell zu einem engagierten Ruderer. Den Spitznamen „Nick“ bekam er, weil er immer so genannte Nick-Hemden trug (heute nennt man diese „T-Shirts“).

Er war in allen Bootsgattungen aktiv, vom Einer bis zum Achter, in Skull- und den damals im Verein noch häufiger gefahrenen Riemenbooten. Mit seinem jüngeren Bruder Klaus nahm er 1970 an den Deutschen Meisterschaften in Duisburg teil, im Leichtgewichts-Doppelzweier. Sie starteten aber studienbedingt für den Osnabrücker Ruderverein.

Im WSV Meppen machte er das bei Ruderern ungeliebte Laufen hoffähig, war selbst Spitze hierbei und konnte in der Region mit den Spezialisten mithalten. Auf der von ihm „erfundenen“ unglaublich langen Strecke zur Haarbrücke hielt er die Bestzeit, bis (Zitat) „so ein junger Bursche kam, der war schneller als ich, Alwin Otten heißt der“.

Neben seiner aktiven Tätigkeit war Nick auch als Trainer im WSVM tätig, und zwar auch dann noch, als er beruflich bedingt schon Meppen verlassen hatte. Seine Mannschaften waren sehr erfolgreich, nahmen an Deutschen Schülermeisterschaften teil. Als der Schreiber dieser Zeilen einen seiner ehemaligen „Schützlinge“ fragte, was denn das Besondere an Nick war, bekam er zur Antwort „Nick hat uns neben Technik, Kraft und Kondition auch andere Werte beigebracht, zum Beispiel den Respekt vor dem Gegner, auch wenn dieser hoffnungslos unterlegen war.“

Zwei dieser „Schützlinge“, Rudi Schmidt-Lampe und Heiner Tieben, regten vor ein paar Jahren an, das Rennen auf dem Küstenkanal nach Hartmut „Nick“ Ortwig zu benennen, der 2006 im Alter von 61 Jahren an Krebs verstarb. Bis kurz vor seinem Tod hat er noch sehr aktiv und erfolgreich gerudert, beim RV Erlangen. Seinen Einer, die „Aegir“, hat er dem WSVM überlassen, als ihm klar war, dass er nicht mehr rudern können würde.

Bilder vom aktuellen Rennen 2018


Bericht /Foto: Klaus Ortwig